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Röns, das unauffällig beschauliche Dorf im Walgau, ...

Roens Otto Barwart

... beherbergt gleich zwei Orgeln, die in ihrer Gesamtkonzeption vom Mainstream abweichen und den Eigen-Sinn ihrer Erbauer bezeugen. In der Pfarrkirche steht die 1960/61 erbaute 12-Register-Orgel des früh verstorbenen Hubert Neumann und im Haus des Chirurgen Otto Barwart errichtete Christoph Enzenhofer 2002/03 eine 7-Register-Holzpfeifenorgel.

Obwohl Enzenhofer aus guten Gründen keine Restaurierarbeiten annimmt, führte er dennoch die dringlich gewordene Sanierung der Neumann-Orgel durch, wohl deswegen, weil er eine Wesensverwandtschaft erkannt hat. Neumann war einer der ersten österreichischen Orgelbauer, der nach dem 2. Weltkrieg die mechanische Schleifladenbauweise in fanatischer Konse-quenz wiederbelebt hat. So weit wie möglich stellte er Orgelteile im eigenen Atelier her und machte sich von Diktat und Uniformierung der Zulieferfirmen unabhängig. Gleich Neumann ist auch Enzenhofer ein Erbe des Handwerks. Er verweigert sich industrieller Aktualisierung und folgt lieber einem traditionellen Begriff von Material, -und Werktreue. Neumann war orgelbauerisch Autodidakt, jedoch ein gestandener Tischlermeister, der Material von seinen stofflichen Eigenschaften her zu betrachten verstand. Schlichtheit, Sachlichkeit, Sorgfalt in der Ausführung hatten für ihn Priorität. Gerade hierin erblickt Enzenhofer jene Wesensverwandtschaft.

Freilich ist Enzenhofer in seiner Materialbewusstheit viel eloquenter, eleganter, ästhetisch anspruchsvoller als Neumann, der in der Not der 40er Jahre einen Neubeginn aus dem Nichts wagte und über die Bescheidenheit der 50er Jahre gar nicht hinauswachsen konnte. Auch in der Intonation geht Enzenhofer einen völlig anderen Weg. Als Kind der Orgelbewegung pflegte Neumann die neobarocke Intonation mit offenen Pfeifenfüßen und enger Kernspalte, wodurch die Tongebung konsonantisch-markant wird. Enzenhofer dagegen stellt auf subtile Weise einen Ausgleich her zwischen Windzufuhr am Pfeifenfuß, der nach Bedarf auch gekulpt werden darf, und Weite der Kernspalte. Dies fördert eben jene vokale Intonation, die Enzenhofers Instrumente auszeichnet.

In der Barwart´schen Hausorgel konnte Enzenhofer die Vokalität zu gesteigerter Entfaltung bringen. Alle Pfeifen sind aus feinstem Holz (Fichte, Buchsbaum) und das alte Holzgebälk des Hauses tut ein Übriges, um die Resonanz zu verstärken und abzurunden. So hat der Klang nichts Verbissenes, positivhaft Scharfes, sondern ist von samtsattem Wohllaut, strahlt die Heiterkeit der walgauischen Landschaft aus. Ästhetische Basis ist nicht irgendein spätmodern-kühles Design oder ein verunglücktes postmodernes Zitat, sondern sie liegt begründet in der Funktion des Instruments, in seinen Proportionen, die sich aus Form, Aufstellung und Verlauf der Pfeifen ergeben, sowie in der rundherum mit Hingebung bearbeiteten Qualität des Materials.

Den tragenden Fond der Orgel bildet der Offenbaß 8´ des Pedals. Im Zentrum, quasi als Hinterwerk und für den Beschauer nicht sichtbar, stehen die beiden Register des 1. Manuals Gedeckt 8´ und Offenflöte 4´. Im Vordergrund steht das am reichsten besetzte Werk des 2. Manuals. Den Prospekt bestimmen die enge Weidenflöte 8´ und Offenflöte 2´, dahinter steht Rohrflöte 4´, davor das Regal. Die Höhenzonen sind also klar nach dem Gefälle 8´ - 4´ - 2´ von innen nach außen gestaffelt. In nur sieben Registern sind alle Registerfamilien gebündelt: Offene, Gedeckte, Halbgedeckte, Streicher und Zungen. Die Traktur ist zweiarmig, hat zum Glück nichts brustwerkhaft Delikates, sondern ist gut griffig. Die Temperatur beruht, wie in St. Gerold, auf einer von Johannes Hämmerle modifizierten Werckmeisterstimmung mit fünf reinen und sieben temperierten Quinten. Auf dieser Orgel kann man alle Orgelliteratur üben, studieren, erproben; man kann improvisieren und vielleicht sogar neue Orgelmusik komponieren. Die Barwart´sche Hausorgel ist kein Übungsvehikel, kein Ausschnitt aus einer größeren Orgel, keine historische Replik, sondern ein in sich geschlossenes autonomes Musikinstrument.

Welcher außermusikalische Sinn ruht in ihr? Vielleicht die Hoffnung, dass Einfachheit und Schönheit der Dinge eine zersplitterte Welt doch noch harmonisieren können.

Roman Summereder

 

Disposition - Roens Otto Barwart

Winddruck: 63mm WS
Stimmung: Werkmeister V J.H.

Manual 1   Holz     Bemerkung
Gedacktflöte 8' Fichte/Buchsbaum   C-G3  
Offenflöte 4' Buchsbaum   C-G3  

Manual 2   Holz     Bemerkung
Weidenflöte 8' Fichte/Buchsbaum   C-G3  
Rohrflöte 4' Buchsbaum   C-G3  
Offenflöte 2' Buchsbaum   C-G3  
Regal 8' Buchsbaum   C-G3 gedrechselt

Pedal   Holz     Bemerkung
Pedalflöte 8' Fichte   C-F1  

Koppeln: II/I, I/P, II/P

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Christoph Enzenhofer Christoph Enzenhofer Christoph Enzenhofer

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